Kulturhaupstadt Nürnberg 2025: noch viel zu abstrakt

Wir unterstützen die Bewerbung Nürnbergs als Kulturhaupstadt 2025 – vorausgesetzt es wird kein Beton- und Glamourprojekt. Der Mehrwert liegt für uns schon im Bewerbungsprozess, wenn es gelingt erstarrte Strukturen im Kulturbereich aufzubrechen, neue Dialogeformen und Netzwerke zu etabliern, und vor allem auch Bürgerinnen und Bürger möglichst breit mit einzubinden.

Von der letzten Stadtratsvorlage war ich aber schon enttäuscht. Hier mein Redemanuskript für die Sitzung:

 

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, Kolleginnen und Kollegen, liebe Gäste,

 

bei Unternehmen sagt man ja,  sie sollen einen gewissen Prozentsatz ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung geben, damit sie langfristig zukunftsfähig zu bleiben.

Für uns fällt die Kulturhauptstadts-Bewerbung  genau in diesen Bereich:

Wir investieren Geld in einen forschenden Prozess, bei dem wir das Ergebnis noch nicht Detail kennen

Er soll die Entwicklung unserer Stadt voranbringen und vielleicht auch exemplarisch die Frage zu beantworten, wie gutes Leben in „der“ europäischen Stadt in Zukunft aussehen soll.

Wir begreifen den Bewerbungsprozess als Chance, mal aus dem Trott herauskommen, die Komfortzone zu verlassen, mal etwas anderes zu machen.

Daraus können neue Energien und auch ein neues Miteinander bei uns in der Stadt entstehen.

Und ich habe es ja schon das letzte Mal gesagt:

die Stoßrichtung Ideen statt Beton und nachhaltiger Mehrwert für die Stadtbevölkerung statt Protz und Show gefällt uns gut und ist auch genau unsere.

 

Aber ich muss wie auch bei der letzte Debatte wieder sagen:

Wir hätten heute gerne mehr Antworten gehabt.

Es ist klar, dass die Themen noch nicht eingegrenzt sind.

Das wollen wir auch gar nicht. Denn wir haben den Anspruch, dass die thematische Zuspitzung in einem Beteiligungsprozess erfolgt.

Wir haben das ja immer wieder als zentrales Kriterium für uns Grüne formuliert.

Und es ist natürlich auch klar, dass so ein Prozess zu einem gewissen Grad eine Reise ins Ungewisse sein muss, denn nur so kann ja auch etwas Neues entstehen. (Und genau so einen Prozess fordert ja auch die Europäische Union.)

Aber wir hätten gerne schon konkretere Antworten gehabt, was die Beschreibung des Bewerbungsprozesses angeht. Da ist der Nachrichtenwert der Vorlage im Vergleich zur letzten doch begrenzt.

Die Sprache in der Vorlage heute bleibt sehr abstrakt und verkopft.

Es ist zum Beispiel die Rede von der „Etablierung  neuer Partizipations- und Kommunikationsformen, die bei anderen Planungsaufgaben erneut angewendet werden“  oder „die Bewerbung bindet die örtliche Bevölkerung und die Zivilgesellschaft bereits in der Bewerbungsphase ein und involviert sie in der Durchführung“.

Da fragen die Leute zur recht:  Ja was heißt denn das jetzt?

Wir hätten uns da einige handfeste Fakten und Beispiele – zum Beispiel aus anderen Kulturhauptstadtprozessen –  gewünscht.  Oder vielleicht auch Erfahrungen wie so etwas nicht funktioniert. Ich denke da zum Beispiel an die Erfahrungen der Stadt Linz, die versucht hat die Kulturhauptstadt mit einer vielleicht nicht so erfolgreichen Kulturentwicklungsplanung zu verbinden. Oder auch die relativ ausführliche Evaluation, den die Region Ruhr im Nachgang der Kulturhauptstadt vorgelegt hat.

Deswegen sage ich jetzt einmal provokativ:

Wenn das Projekt Kulturhauptstadt so abstrakt und so verkopft bleibt wie die Vorlage heute, dann wird das Ziel sicher nicht erreicht.

Das was wir heute lesen wärmt uns noch nicht das Herz und lockt uns noch nicht hinter dem Ofen hervor und atmet noch nicht den Aufbruch.

 

Zu den Inhalten:  Es sind sicher wichtige Themenfelder identifiziert worden.

Es fehlt uns, und sicher auch den Bürgerinnen und Bürgern, die wir hier im Rat repräsentieren, aber noch etwas ganz Wichtiges:

Die zentrale Zukunftsfrage für uns ist: Wie bringen wir unsere Lebensweise mit den Grenzen des Planeten zusammen? Wie können wir gut leben und hinterlassen den nächsten Generationen eine lebenswerte Welt?

Im Kontext der Kulturhauptstadt könnten das Fragen sein wie:

Wie und was konsumieren wir?

Wie viel Fläche und Ressourcen verbrauchen wir?

Woher kommt unsere Energie?

Woher kommt unser Essen?

Wie erhalten wir die natürlichen Lebensgrundlagen?

Ich will jetzt auch nicht die Monstranz des Nachhaltigkeitspreises zu sehr vor uns her tragen. Ich bin ja auch gar nicht katholisch. Aber wir freuen uns wenn wir diese Punkte stärker berücksichtigt werden.

 

Wir sehen natürlich, dass wir heute erst ganz am Anfang eines Prozesses stehen. Und wir freuen uns auch darauf, uns ab dem nächsten Jahr intensiv an diesem Prozess zu beteiligen und die Diskussion hier im Rat und draußen mit den Bürgerinnen und Bürgern dieser Stadt zu führen.

Herzlichen Dank.

Verwandte Artikel