Meine Halbzeitbilanz: Kultur

Wir unterstützen die Bewerbung Nürnbergs als Kulturhauptstadt 2025. Denn allein der Prozess, der in eine Bewerbung mündet – selbst wenn diese dann nicht erfolgreich ist – birgt unserer Meinung nach das Potenzial für einen Aufbruch in der Nürnberger Kulturpolitik und der gesamten Stadtgesellschaft: Er kann die strategische Ausrichtung der Kulturpolitik voranbringen, der Kultur eine neue Wertigkeit in der Stadt geben, Impulse für die Stadtentwicklung setzen und nicht zuletzt identitätsstiftend wirken.

Bei der Kulturhauptstadt 2025 stehen für uns drei Punkte im Zentrum:

Erstens: Es ist enorm wichtig, dass die Bewerbung „von unten“ getragen wird. Wir setzen uns ein für eine starke Beteiligung der freien Kulturszene, aber auch der vielfältigen zivilgesellschaftlichen Gruppen in Nürnberg. Daraus können neue Energien und auch ein neues Miteinander bei uns in der Stadt entstehen.
Zweitens: Kommerz, Protz und Show dürfen nicht im Vordergrund stehen. Die Bewerbung soll die Entwicklung unserer Stadt voranbringen und vielleicht auch exemplarisch die Frage zu beantworten, wie gutes Leben in „der“ europäischen Stadt in Zukunft aussehen soll. Wir wollen dabei darauf achten, dass die Themen Nachhaltigkeit, Klima und Umwelt dabei eine gewichtige Rolle spielen. Denn die zentrale Zukunftsfrage für uns Grüne ist seit jeher, wie wir jetzt gut leben und den nächsten Generationen eine lebenswerte Welt hinterlassen können. Im Kontext der Kulturhauptstadt könnten Stichworte dabei sein wie Ess- und Konsumkultur, Energieerzeugung oder Flächenverbrauch unser Verhältnis zur Natur.
Drittens: Wir wollen eine Kulturhauptstadt der Menschen und der Ideen und statt einer in Beton. Zusätzliche Kulturbauten für die Kulturhauptstadt zu bauen wäre aus unserer Sicht ein Irrweg.
Nicht zufrieden sind wir mit dem aktuellen Stand des Bewerbungsverfahrens. Viele Gruppen haben sich schon bei uns gemeldet und wollen mitmachen, aber wir haben außer allgemeinen Infoveranstaltungen noch keine Andockstation dafür. So bleibt die Debatte noch sehr abstrakt und verkopft.

Grüne Kulturpolitik in Nürnberg – so liefen die vergangenen drei Jahre

Die politische Debatte im Kulturausschuss drehte sich in den letzten Jahren leider fast ausschließlich um Bauprojekte der Stadt und um die Kulturangebot der Stadtverwaltung. Im Gefüge der politischen Landschaft in Nürnberg sehen wir Grüne uns deshalb vor allem als Anwältin der freien Szene, kleiner Initiativen und neuer Ideen.

Einige handfeste Erfolge haben wir vorzuweisen: Auf unseren Antrag hat der Berufsverband Bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK) ein festes Budget im Kulturhaushalt bekommen. Auch für andere Initiativen konnten wir zusätzliche Finanzmittel erreichen, darunter das Menschenrechtfilmfestival und das Festival Nürnberg.Pop. Das selbstverwaltete Stadtteilzentrum Desi hat auf unserer Initiative hin endlich neue sanitäre Anlagen bekommen und es ist wieder ein reibungsloser Betrieb bei Konzerten möglich. Mit Teilerfolg unterstützt haben wir eine neue Kooperation des Gostner Hoftheaters mit dem Staatstheater Nürnberg. Gefreut haben wir uns außerdem, dass das Preisgericht des Nürnberger Kulturpreises auf unseren Vorschlag das Borgo Ensemble mit einem Preis ausgezeichnet hat.

Auf taube Ohren sind bisher unserer Initiativen für mehr und bessere Ausstellungs- und Arbeitsräume für Kreative gestoßen. Leider verlief bisher alles im Sande mit Verweis auf fehlende Zuständigkeit oder personelle Ressourcen. Wir geben aber keine Ruhe…

Da wir uns für einen größeren Stellenwert von Kunst und Kultur in der Stadt insgesamt einsetzen, tragen wir den Ausbau der städtischen kulturellen Infrastruktur in den nächsten Jahren mit – Stichwort Künstlerhaus, Z-Bau, Konzertsaal. Beim Bau eines neuen Konzertsaals an der Meistersingerhalle pochen wir darauf, dass möglichst wenig Eingriffe in den Luitpoldhain passieren. Zudem setzen uns dafür ein, dass das neue Haus möglichst offen für Bürgerinnen und Bürger und Kulturschaffende gestaltet wird.

Wir wollen außerdem, dass sich Nürnberg wieder mehr mit Kunst im öffentlichen Raum auseinandersetzt, und haben gemeinsam mit den anderen Fraktionen beantragt, dass die Stadt ein Symposium zu diesem Thema organisiert und Kunst im öffentlichen Raum in den vielen Baugebieten in den nächsten Jahren angemessen umgesetzt wird.

Schließlich sind wir eine laute Stimme für eine verantwortungsvolle Erinnerungskultur in Nürnberg. Dank geht hier an unsere Landtagsabgeordnete Verena Osgyan, die unsere kommunale Arbeit sehr unterstützt hat, u.a. mit einer Diskussionsveranstaltung der Landtagsgrünen zum Umgang mit der Zeppelintribüne und dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände. Uns ist dabei in erster Linie wichtig, dass das Gelände für Besucher erleb- und erfahrbar bleibt.

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